(88.1) Was ist bei Reisen zu
beachten?
Die Vorsichtsmaßnahmen und
Beschränkungen bei Reisen mit Anfallskindern richten sich zunächst nach der
Häufigkeit und der Art der Anfälle. Im Einzelfall sollten sich die Eltern daher
vom behandelnden Arzt beraten lassen.
Anfallsauslösende Risiken bei
Reisen können sein:
Aufregungen ("Stress")
und ungewohnte Belastungen; ein ungewohnter Tagesablauf mit oft ungenügendem
Schlaf, besonders bei nächtlichen Autofahrten, Nachtflügen und Zeitverschiebungen
bei interkontinentalen Flugreisen; Unregelmäßigkeiten bei der Nahrungsaufnahme
und der Einnahme der Medikamente.
Bei erheblicher Anfallsneigung
sollten daher diese Risiken möglichst vermindert oder vermieden werden, und
etwa auf längere Flugreisen ganz verzichtet werden.
Bei Flugreisen nach Westen, von
Europa in Richtung Amerika, sollte bei einer Tagesverlängerung von über drei
Stunden eine zusätzliche Medikamentendosis eingenommen werden. Diese
Zusatzdosis sollte sich an der Tagesdosis orientieren. So wäre als Beispiel bei
einer Zeitverschiebung von 6 Stunden, entsprechend einem Viertel des Tages,
auch ein Viertel der Tagesdosis als zusätzliche Einnahme einzuschieben. Beim
Rückflug oder Flugreisen nach Osten, von Europa in Richtung Asien, ist
entsprechend die folgende Tagesdosis zu vermindern.
Das Fliegen selbst - auch der dabei
etwas verminderte Luftdruck im Flugzeug - löst unter üblichen Bedingungen -
abgesehen von der Aufregung - keine Anfälle aus.
Reisen sollten möglichst nur mit
den Eltern oder Personen unternommen werden, die eingehend mit notwendigen
Maßnahmen bei Anfällen vertraut sind. Bei Unterbringung der Kinder in
Ferienheimen, bei Verwandten oder Freunden sind eingehende Einweisungen der
betreuenden Personen notwendig, am besten auch schriftliche Anweisungen über
erste Hilfen (Merkblatt). Neben einem
ausreichenden Vorrat an Medikamenten - besonders bei Auslandsreisen - müssen
auch die Notfallmedikamente mitgeführt werden - letztere immer greifbar im Handgepäck.
Bei Fernreisen sind Erkrankungen
mit Durchfall und Erbrechen nicht selten. Kohletabletten sollten dann nicht
zusammen mit antiepileptischen Medikamenten verabreicht werden, weil deren Aufnahme
aus dem Darm damit verhindert werden kann. Dagegen ist die Einnahme von Loperamid
(Imodium©) oder MCP-Tropfen in der kindgerechten Dosierung meist unbedenklich.
Bei Erbrechen des Mageninhalts nach Einnahme der Antiepileptika muss die vorher
gegebene Medikamentendosis erneut eingenommen werden.
Bei Auslandsreisen ist auch an eine
Auslands-Krankenversicherung zu denken.
Am Urlaubsort sollte man sich gleich nach den Adressen und
Telefonnummern der nächsten Notfallambulanzen und Kinderkliniken erkundigen.
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