(74) Was
kann man tun, wenn ein Medikament nicht vertragen wird?
Zu Beginn der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung
gewöhnt sich der Organismus eines Kindes gelegentlich erst nach einigen Tagen
oder Wochen an das Medikament oder eine höhere Dosierung. Es können
Nebenwirkungen auftreten, die nach einiger Zeit weitgehend oder völlig
verschwinden. In diesen Fällen müssen die Beteiligten bei der Einstellung
Geduld haben, und man muss die Dosis langsamer steigern, vielleicht auch
vorübergehend wieder vermindern.
Selten können antiepileptische Medikamente -
manchmal erst bei zu hoher Dosierung - auch eine Anfallsbereitschaft
verstärken. Ein sorgfältig geführter Anfallskalender veranlaßt den Arzt dann
umgehend zu einer Änderung der Medikation.
Die Zubereitungsform kann bei der Wahl des
Präparates gerade bei Kindern von Bedeutung sein. Magensaft-unlösliche oder
langsamer lösliche Tabletten, sogenannte Retard-Tabletten,
werden oft besser vertragen, weil die Aufnahme ihres Wirkstoffes im Darm sich
über einen längeren Zeitraum verteilt. Dazu siehe auch Wie geben
wir dem Kind die Medizin ? .
Manchmal kann man eine Verteilung der Tagesdosis von ein oder zwei größeren auf drei oder vier kleinere Gaben empfehlen.
Dies kann magenverträglicher sein und durch geringere Blutspiegelspitzen Nebenwirkungen mindern.
Wenn erhebliche Nebenwirkungen sich nicht bessern,
wird (immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt!) eine Verminderung der
Dosis oder ein Übergang auf einen anderen Wirkstoff unumgänglich sein. Daher
sollten Unverträglichkeiten eines Medikaments immer umgehend dem in der
Epilepsiebehandlung von Kindern erfahrenen Arzt mitgeteilt werden. Er kann am
besten ihre Bedeutung abschätzen und Gegenmaßnahmen einleiten. Dies ist
besonders in den ersten Monaten der Einnahme von Valproat notwendig.
Auf die Wichtigkeit eines engen - auch
telefonischen - Kontaktes zwischen den Angehörigen und dem behandelnden
Epileptologen, besonders bei unbefriedigender Wirkung oder Nebenwirkungen der
Medikation, muss nachdrücklich hingewiesen werden.
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Kind die Medizin?