(71) Wie wird bei der "Einstellung" auf ein Medikament
vorgegangen? (siehe unten)
(129) Ambulante oder klinische Einstellung?
(71.1) Warum sollte ein Behandlungskalender geführt
werden?
(73) Was wird getan, wenn ein Medikament nicht ausreicht?
(73.1) Was ist bei einer Kombinationstherapie zu beachten?
(74) Was kann man tun, wenn ein Mittel nicht vertragen wird?
Wie wird bei der "Einstellung" auf ein
Medikament vorgegangen?
Vor der Behandlung mit einem Medikament muss die Diagnose geklärt sein.
Eine Notwendigkeit zur
Behandlung mit einem Medikament muss vorliegen.
Untersuchungen müssen sicherstellen, dass keine Erkrankungen vorliegen, die der
Verträglichkeit des Medikaments entgegenstehen
Bei der Einstellung wird die Dosis des Medikaments
ermittelt, die bei guter Verträglichkeit ausreichend erscheint, eine andauernde
Anfallsfreiheit zu sichern. Dabei richtet man sich zunächst nach Erfahrungswerten,
die dem Alter und Gewicht des Kindes entsprechen. Die erforderliche Dosis (die
"Erhaltungsdosis", auch "Zieldosis") schwankt jedoch
erheblich um solche Durchschnittswerte. Sie muss bei jedem Kind gesondert
ermittelt werden.
In der Regel wird über mehrere Tage eine
"einschleichende" abendliche Anfangsdosis verordnet von
beispielsweise einem Viertel der mittleren Dosis, damit der kindliche
Organismus sich allmählich an das Medikament gewöhnt und etwaige Nebenwirkungen
frühzeitig erkannt werden können.
In Schritten von meist 3 bis 6 Tagen Dauer wird
dann bis zu einer vorläufigen Dosis gesteigert, die möglicherweise zur
Behandlung schon ausreicht.
Damit ist jedoch meistens noch nicht die endgültige
Einstellung erreicht. Diese richtet sich vor allem nach dem aus dem Anfallskalender ersichtlichen Verlauf.
Manchmal ist schon unter der Anfangsdosis eine
deutliche Abnahme der Anfallshäufigkeit festzustellen, und schon bei geringer
Dosis treten keine Anfälle mehr auf. Man wird dann die Einstellung zunächst bei
einer geringen bis mittleren Dosis und vielleicht auch niedrigem Blutspiegel belassen, welcher auch unterhalb des sogenannten "therapeutischen
Bereichs" liegen darf.
Meistens verlangt die Einstellung jedoch mehr
Geduld. Werden unter einer vorläufigen Einstellung weiterhin Anfälle
beobachtet, wird bei guter Verträglichkeit das Medikament schrittweise und
vorsichtig höher dosiert bis zur Anfallsfreiheit. Ein Fehler ist es, schon bei
mittlerer Dosierung oder mittleren Blutspiegeln auf ein anderes Medikament zu
wechseln, wenn bis dahin noch keine befriedigende Wirkung erreicht wird. Es muß
jedes Mittel immer geduldig "ausdosiert" werden, bei ausreichender
Verträglichkeit auch bis zu Blutspiegeln, die über dem so genannten
"therapeutischen Bereich" liegen. Vor der Umstellung auf ein anderes
Mittel muss abgewartet werden, wie weit die Nebenwirkungen sich wieder bessern
und ob eine befriedigende Wirksamkeit sich noch einstellt, was zum Beispiel bei
Valproat bis zu 8 Wochen in Anspruch nehmen kann. Auf diese Weise gelingt es in
über der Hälfte der Fälle im Kindesalter, durch die erstgewählte Monotherapie -
das heißt eine Behandlung mit nur einem Medikament - eine andauernde Anfallsfreiheit
zu erreichen ohne erheblich störende Nebenwirkungen.
Dazu siehe: Warum ist ein Anfallskalender notwendig?
Stärkere Nebenwirkungen wird man auf Dauer nicht in
Kauf nehmen (oder nur vorübergehend, etwa beim West-Syndrom), sondern in diesem
Fall auf ein anderes Mittel umstellen.
Dazu siehe die nächste
Seite: Was wird getan,
wenn ein Medikament zur Behandlung nicht ausreicht?
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