Die Epilepsien mit einfach-fokalen, komplex-fokalen und sekundär generalisierenden Anfällen

Siehe zunächst: Wie kommt es zu Herdanfällen und wie sehen sie aus ?  Wie äußern sich einfach-fokale Anfälle?  Was sind komplex-fokale Anfälle?   Was sind sekundär generalisierte Anfälle?

Epilepsien mit einfach-fokalen Anfällen – ohne Bewusstseinstrübung – sind im Kindesalter vorwiegend idiopathische Rolando-Epilepsien.  

Symptomatische Epilepsien mit nur einfach-fokalen Anfällen sind bei Kindern seltener. Sie kommen aber in jedem Alter vor und zeigen eine große Vielfalt von Anfallsbildern. Sie sind gerade bei Kindern oft wechselnd in der Anfallsform und entwickeln sich häufig noch zu Epilepsien mit komplex-fokalen und/oder sekundär generalisierten Anfällen. 

 

Auch Epilepsien mit komplex-fokalen Anfällen gibt es – jedoch selten - als  gutartige idiopathische Formen, im Säuglingsalter als " Watanabe-Epilepsie" und bei Kindern von 2-8 Jahren als "terror -fits".

Häufiger sind symptomatische Epilepsien mit komplex-fokalen Anfällen. Sie kommen in jedem Alter vor und gehören somit nicht zu den altersabhängigen Epilepsien. Bei Erwachsenen - noch nicht im Kindesalter - sind es die am häufigsten vorkommenden Epilepsien.

Die Betroffenen lassen oft geringe hirnorganische Veränderungen im Kernspintomogramm erkennen - etwa kleine, in der Regel gutartige Fehlbildungen von Hirngewebe oder Blutgefäßen. Das EEG läßt meistens - nicht immer - einen epileptischen Herd nachweisen, oft über einem Schläfenlappen des Gehirns ("temporal"), oft nur als fokale Verlangsamung und oft nur im Schlaf-EEG. Weniger häufig ist ein Ursprung der komplex-fokalen Anfälle im Stirn-, Scheitel- oder Hinterhauptslappen.

 

Bei symptomatischen Epilepsien mit weitgehender Beschränkung der anfallsgenerierenden hirnorganischen Störung auf einen Hirnlappen mit den dafür typischen Anfallsmustern wird von  Okzipital-, Parietal-, Temporal- oder Frontallappenepilepsien (siehe unten) gesprochen. Alle diese lokal bezeichneten Formen können mit einfach-fokalen, komplex-fokalen und sekundär generalisierten Anfällen einhergehen.

Die Anfälle der Okzpitallappenepilepsien  sind meistens mit Ausfällen (teilweiser oder völliger Erblindung), Trugwahrnehmungen und Verzerrungen des Sehens verbunden( = visuelle oder optische Anfallssymptome), zeigen dazu oft Symptome wie Lidkloni und Versivanfälle der Augen und des Kopfes.

Parietallappenepilepsien gehen u.a. einher mit Adversivanfällen, sensiblen,   sensomotorischen und sensorischen Anfällen, räumlicher und körperlicher Desorientiertheit, auch Drehschwindel.

Die Anfälle der Temporallappenepilepsien sind oft mit Sinnesempfindungen (z.B. Riechen, Schmecken) und vegetativen Erscheinungen (z.B. Blässe, Pupillerweiterung) verbunden, mit oralen Automatismen (Schmatzen, Schlucken), auch mit Angst, dreamy states,Trugwahrnehmungen und Sprachstörungen.

Bei Frontallappenepilepsien treten nicht selten tageweise gehäuft Anfälle auf, oft im Schlaf, oft vegetativ und → affektiv (Angst, Schrecken) geprägt, häufig plötzlich beginnend und schnell endend, oft rasch sekundär generalisierend, öfter auch mit Komplikationen durch Stürze oder Staten.

 

Die Behandlung

Die Behandlung der symptomatischen Epilepsien ist meistens schwierig. Das Medikament der ersten Wahl ist oft Carbamazepin oder, falls dies schlecht verträglich, auch Oxcarbazepin. Zunehmend werden auch neuere antiepileptische Substanzen (z.B. Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat)  eingesetzt. Vor allem Lamotrigin wird zunehmend auch zur Ersteinstellung angewandt.  Valproat ist oft ein Mittel der 2. Wahl und einer Kombination. Primidon, Phenobarbital und Phenytoin sind bei Kindern wegen ihrer bedenklicheren Nebenwirkungen Medikamente der ferneren Wahl. Nur ca. ein Drittel der Betroffenen wird durch Medikamente anfallsfrei. Bei den übrigen lässt sich oft eine deutliche Besserung bei der Häufigkeit oder im Ablauf der Anfälle erreichen. In schweren Fällen bei Versagen einer Medikation sollte bei symptomatischen Epilepsien immer die Möglichkeit einer operativen Behandlung abgeklärt werden, die in geeigneten Fällen mit einer Aussicht von etwa 70% Anfallsfreiheit - sonst meist Anfallsverminderung - bewirken kann.

Übersicht altersabh. Epilepsien

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