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Die "gutartige atypische
Epilepsie"
Diese Epilepsieform wird auch "Pseudo-Lennox-Syndrom"
genannt, weil Anfälle und EEG-Befunde dem "Lennox-Gastaut-Syndrom" oft ähnlich sind. Sie beginnt im 2. bis 7. Lebensjahr
und trifft meistens normal entwickelte Kinder, vereinzelt auch solche mit
Hirnschäden.
Idiopathische Entstehung, das
Fehlen von
tonischen Anfällen und
Ausheilung spätestens in der Pubertät entsprechen sonst in der Regel den gutartigen
idiopathischen Herdepilepsien.
Die Erkrankung zeigt eine
ungewöhnliche Vielfalt von Anfallserscheinungen. Neben Rolando-Anfällen und generalisierten tonisch-klonischen Anfällen können atypische Absencen , myoklonische Anfälle, atonisch-astatische Anfälle und atonische Nickanfälle auftreten oder auch im Vordergrund stehen,
mit Neigung zu
Staten.
Das EEG ist
immer schwer multifokal verändert, besonders im Schlaf.
Betroffen sind nicht selten Kinder
mit leichter allgemeiner Entwicklungsstörung oder verschiedenen Teilleistungsstörungen.
Diese können im Verlauf der Erkrankung zunehmen. Besonders Anfallsstaten und ununterbrochene generalisierte epilepsietypische
Aktivität im Schlaf können
bleibende Entwicklungsstörungen zur Folge haben. Die deswegen wichtige
Behandlung gestaltet sich oft schwierig (siehe nachfolgend unter
"ESES")
Im Alter von 15 Jahren sind die
Kinder anfallsfrei, haben jedoch in den meisten Fällen Rückstände in ihrer
psychomotorischen und Sprachentwicklung.
(107) ESES / CSWS
"ESES" ist die Abkürzung des englischen "Electrical Status Epilepticus During Slow Sleep". Gleichbedeutend ist die Abkürzung "CSWS" ("Continuous Spikes and Slow Waves during Slow Sleep"). Eine deutsche Bezeichnung ist "Bioelektrischer Status epilepticus im Schlaf mit langsamen Wellen".
Bei dieser Erkrankung, die im 2. bis 10. Lebensjahr beginnt, findet man im Verlauf - häufig schon vorher - deutliche Störungen und auch Rückschritte in der geistigen und psychischen Entwicklung der betroffenen Kinder, besonders der Sprachentwicklung. Daneben kommen häufig Verhaltensstörungen, motorische Unruhe, Bewegungsstörungen und Störungen der räumlichen Orientierung vor.
Anfälle fehlen in etwa 30 Prozent der Fälle. Wenn Anfälle vorkommen - sie sind in vielfältiger Form wie bei atypischen Herdanfällen (siehe diese Seite oben) möglich - sind sie meist weniger häufig und treten vorwiegend im Schlaf auf.
Kennzeichnend sind schwere
EEG-Veränderungen mit besonders im tiefen Schlaf fast ununterbrochenen epilepsietypischen
Potenzialen, so genannten
"bioelektrischen Staten". Dadurch kommt es zum Verlust schon
erworbener sprachlicher und psychischer Fähigkeiten. Um bleibende
Entwicklungsrückstände zu vermeiden, ist eine Behandlung wichtig.
Überschneidungen gibt es oft zum
Pseudo-Lennox-Syndrom (s.oben) und zum Landau-Kleffner-Syndrom. Auch bei der Behandlung dieser verwandten
Syndrome folgt man etwa gleichen Strategien.
Was wird zur Behandlung eingesetzt?
Die Therapie ist meist schwierig.
In der Regel beginnt eine Medikation mit Sultiam, danach können auch Valproat sowie Lamotrigin eingesetzt
werden. Eine zusätzliche Gabe von Clobazam kann nützlich sein. Auch Succinimide sind gelegentlich wirksam. Am wirksamsten -
jedoch auch mit erheblichen Nebenwirkungen belastet - sind Therapien mit
Corticosteroiden oder ACTH.
Wie ist der Verlauf?
Trotz Ausheilung noch vor oder
während der Pubertät bleiben meistens deutliche sprachliche und/oder
psychomotorische Entwicklungsrückstände bestehen.
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