(111) Die frühkindlichen myoklonischen Epilepsien

Kurze Muskelzuckungen, Myoklonien genannt, sind das Hauptmerkmal der seltenen gutartigen myoklonischen Epilepsie im Säuglings- und Kleinkindesalter. Sie treten im Alter von 4 Monaten bis zu drei Jahren bei normal entwickelten Kindern auf, darunter mehr Knaben als Mädchen.

Dabei kommt es zu plötzlichen, wie schreckhaften Zuckungen vor allem im Oberarm-Schulter-Bereich beiderseits, die sehr heftig sein können mit schleudernder Armbeugung, aber auch sehr milde, so daß man sie von außen manchmal nur fühlt. Auch eine Nickbewegung des Kopfes kommt dabei vor. In ihrem Verlauf können auch einzelne generalisierte tonisch - klonische Anfälle, besonders auch als Fieberkrämpfe, zusätzlich auftreten. Die Behandlung ist mit Valproat meist rasch erfolgreich. Es kommt jedoch gelegentlich später - auch noch im Jugendalter - wieder zu großen generalisierten Anfällen.

Im EEG finden sich im Schlaf kurze Spike-Wave-Ausbrüche.

Eine noch seltenere Form mit meistens ungünstigem Verlauf , die "schwere myoklonische Epilepsie im Kindesalter (SMEI)" ;andere Bezeichnungen: "Myoklonische Frühenzephalopathie" / „Frühe infantile epileptische Enzephalopathie“ / heute meist

 "Dravet-Syndrom"

 beginnt meist schon im 3. bis 9. Lebensmonat.  Dabei treten oft zunächst – i.d.R. zunächst bei Fieber - länger dauernde generalisierte tonisch-klonische Anfälle auf, oft halbseitig. Meist später hinzu kommen irreguläre Myoklonien (s. oben), außerdem fokale Anfälle (auch komplex-fokale) und atypische Absencen. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Als Ursache finden sich meistens (in ca. 80%) Mutationen des Natriumkanalgens SCN1A . Dies sind i.d.R. Neumutationen, also keine ererbten Gendefekte. Bei sehr unterschiedlichem Verlauf ist die Therapie meist wenig erfolgreich. Dazu siehe z.B. auch  www.idea-league.org/dravet-syndrome (Englisch)

Abzugrenzen von epileptischen Myoklonien sind die nicht seltenen gutartigen Schlafmyoklonien des Säuglings, die in der Regel mit Myoklonien - wie bei der gutartigen myokl. Epilepsie (s.o.) - schon im Neugeborenenalter beginnen, jedoch nur bei Müdigkeit und im Schlaf auftreten. Es sind rhythmische wie auch irreguläre Zuckungen von mehreren Minuten, ausnahmsweise auch von über eine halben Stunde Dauer, die sowohl generalisiert als auch an wechselnden Gliedmaßen zu sehen sind und immer durch Aufwecken des Kindes zu beenden sind. Sie verschwinden meistens bis zum 4. Lebensmonat. Das EEG ist bei diesen Kindern zwischen den Anfällen und während der Anfälle normal.

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Übersicht altersabh. Epilepsien

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